Geschichte

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Australien wird als die letzte große Landmasse auf der Erde von den Europäern entdeckt. Lange bevor die Britische Krone das Land für sich beanspruchte, träumten europäische Entdecker und Händler von den Reichtümern, welche auf dem unbekannten „Südlichen Land“ (terra australis) liegen müssten.

Das mythische „Südliche Land“ wurde als Gegengewicht zur Landmasse nördlich des Äquators vermutet. Der Kontinent, der letztendlich gefunden wurde, war zu jener Zeit bereits über Jahrtausende von den Aborigines bewohnt.

Inhalt

Australiens Geschichte im Zeitstrahl

vor 50 bis 45 Millionen Jahren
Der Superkontinent Gondwana bricht auseinander. Ein gewaltiger Erdteil, welcher das spätere Australien, Neuguinea und Tasmanien bildet, driftet von seiner einstigen Position, der heutigen Antarktis, in Richtung Nordwesten ab. Diese riesige Landmasse wird fortan von den anderen Kontinenten getrennt sein und so kann sich dort eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln.

um 60.000 v. Chr.
Dies ist das Zeitalter der letzten Eiszeit auf unserer Erde, die Meeresspiegel lagen dabei an einigen Stellen bis zu 100 Meter niedriger als heute. So konnten die ersten Menschen mit einfachen, floßartigen Booten aus Bambus den Kontinent Australien auf dem schmalen Seeweg von Südostasien erreichen.

um 40.000 v. Chr.
1974 machen Archäologen im Willandra-Seengebiet in Südaustralien am Ufer des Lake Mungo einen einzigartigen Fund. Sie entdeckten das Skelett eines hochgewachsenen Mannes, der als „Mungo Man“ in die Australische Geschichte eingeht. Die Ureinwohner Australiens durchstreiften in Stämmen das Land auf der Suche nach Nahrung. Das Skelett des „Mungo Man“ zählt zu den ältesten menschlichen Überresten in Australien.

um 30.000 v. Chr.
Die ältesten Kunstwerke der Welt entstehen auf der Halbinsel Cape York im Norden von Australien. Die Bildnisse erzählen von der mystischen „Dreamtime“, der Traumzeit, in der Regenbogenschlangen und andere Schöpferwesen die Landschaften formten.

10.000 bis 6.000 v. Chr.
Das Ende der letzten Eiszeit ist gekommen. Die Meeresspiegel steigen wieder an und die letzte Landverbindung zwischen Australien und Tasmanien verschwindet.

um 150 n. Chr.
In seinem Werk „Geographia“ stellt der Grieche Klaudios Ptolemaios die These auf, dass den Landmassen der Nordhalbkugel aus Gründen des Gleichgewichts eine ebensogroße und bis dahin unbekannte Landmasse auf der Südhalbkugel entgegenstehen müsse. Die Vorstellung über das „unbekannte Südland“, das „terra australis incognita“ überdauerte die Antike. Im 15. Jahrhundert glaubten spanische und portugiesische Seefahrer fest an die Existenz des „unbekannten Südland“ und so stachen sie auf der Suche nach unbekannten Gewürzen und anderen Reichtümern in See.

um 1510
Portugiesische Handelsschiffe durchkreuzten die Gewässer um die Molukken und Timor. Dabei mussten sie zumindest Sichtkontakt zur australischen Küste gehabt haben. Eine genaue Untersuchung der Küstengebiete fand zu jener Zeit jedoch noch nicht statt.

1606
Der Niederländer Willem Janszoon ist vermutlich der erste Europäer, der während einer Erkundungsfahrt in den südlichen Gewässern von Neuguinea auf die australische Küste trifft und an Land geht. Der Kapitän glaubte, Teile Neuguineas zu erkunden, tatsächlich kartografisierte Janszoon aber die nordöstliche Küste von Australien (das heutige Cape York).

1616
Der niederländische Kapitän Dirck Hartog befindet sich mit seinem Handelsschiff „Eendracht“ auf einer Seereise nach Java, kommt vom Kurs ab und ankert an der Westküste von Australien. In der Folgezeit haben niederländische Kapitäne zunehmend Kontakt mit dem neuen Kontinent.

1642
Der niederländische Kapitän Abel Tasman befindet sich auf einer Seereise weit südlich der bis dahin erforschten Gebiete und benennt das Land, auf welches er stößt, Van Diemen’s Land (das spätere Tasmanien).

1644
Abel Tasman bemerkt auf einer weiteren Seereise entlang der Nordküste, dass alle bis dahin erkundeten Küstenabschnitte zu einem einzigen Kontinent gehören. Er gibt dem Land den Namen Neu-Holland.

1688
Die „Cygnet“, ein englisches Freibeuterschiff, befindet sich in den Gewässern Südostasiens auf Kaperfahrt. Um Reparaturarbeiten auszuführen, legt die Crew für mehrere Wochen an der Nordwestküste von Neu-Holland an. Neun Jahre später, im Jahr 1697, veröffentlicht William Dampier seine Erfahrungen und Beobachtungen aus jener Zeit. Er beschreibt die Aborigines als die „bedauernswertesten“ Mensche die er je gesehen hat, ohne Kleidung, Werkzeuge und Behausungen. Dieses Bild, von den primitiven Ureinwohnern Australiens, prägt für lange Zeit die Vorstellungen der Europäer

1770
Der britische Entdecker James Cook vermisst in den Jahren 1768 bis 1771 die Ostküste Neu-Hollands und geht in der Botany Bay, dem heutigen Sydney, an Land um Pflanzen zu sammeln. Die Bucht erscheint als idealer Ort für eine Sträflingskolonie um die überfüllten Gefängnisse in Großbritannien zu entlasten. Am 22. August 1771 nimmt Cook die Ostküste Neu-Hollands für England in Besitz und benennt das Land New South Wales.

1788
Die aus elf Schiffen bestehende Flotte „First Fleet“ von Kapitän Arthur Phillip erreichte am 18. Januar 1788 die Botany Bay. Die insgesamt etwa 1.400 Neuankömmlinge, bestehend aus Soldaten, Sträflingen und Verwaltungsbeamten, waren vom Land, welches sie vorfanden enttäuscht. Phillip entschied sich daraufhin für einen Anlegeplatz einige Kilometer weiter nördlich, dem heutigen Hafenbecken von Sydney. Am 26. Januar 1788 wird die erste britische Kolonie in Australien gegründet, es ist die Geburtsstunde von New South Wales.

1798
Das Van Diemen’s Land wird erstmals komplett von den Briten Matthew Flinders und George Bass umsegelt. Der Beweis, dass es sich um eine Insel handelt, ist erbracht.

1803
Der Nachweis, dass Neu-Holland und New South Wales eine einzige Landmasse sind, wird durch Kapitän Matthew Flinders im Jahr 1803 erbracht. Er umsegelte während Vermessungsarbeiten der australischen Küstegebiete den kompletten Kontinent und widerlegte damit die Vermutung vieler Geographen, dass Neu-Holland und New South Wales durch eine Wasserstraße getrennt sind.

1808
Das Jahr 1808 geht in die australische Geschichte als das Jahr der „Rum Rebellion“ ein. Der damalige Gouverneur von New South Wales, William Bligh, will dem privaten und sehr lukrativen Rumhandel der Offiziere der Kolonialarmee ein Ende setzen. Diese setzen ihn daraufhin kurzerhand ab, verhaften Bligh und übernehmen selbst die Macht in der Kolonie. Mit der Ankunft des neuen Gouverneurs Lachlan Macquarie im Jahr 1810 ändern sich die Machtverhältnisse in New South Wales wieder. Er übernimmt ohne große Gegenwehr das Kommando. Die Mitglieder der „Rum Rebellion“ werden daraufhin zurück nach England geschickt und durch loyale Truppen ersetzt.

1825
Van Diemen’s Land wird zur zweiten eigenständigen australischen Kolonie neben New South Wales ernannt.

1829
Westaustralien wird zur eigenständigen australischen Kolonie ernannt.

1830
Die Konflikte zwischen den weißen Siedlern und den Ureinwohnern Australiens nehmen in Van Diemen’s Land zu und erreichen ihren Höhepunkt. Gouverneur George Arthur verhängt in Folge der vielen Gewalttaten das Standrecht: Aborigines dürfen ab sofort auch ohne Gerichtsurteil hingerichtet werden. Aufgrund der Auseinandersetzungen, schlechter Ernährung und durch eingeschleppte Krankheiten hat sich die Zahl der Aborigines in Van Diemen’s Land drastisch reduziert. Von einst ca. 5.000 Ureinwohnern auf der Insel überlebten nur um die 200 die ersten Jahre der weißen Besiedlung.

1835
Die Grundsteine des heutigen Melbourne entstehen mit der Errichtung der ersten Gebäude am Yarra River.

1836
Südaustralien wird zur eigenständigen australischen Kolonie ernannt.

1840
Sträflingstransporte nach New South Wales werden Aufgrund zunehmender Beschwerden der freien Siedler in dieser Region eingestellt. Stattdessen werden Kriminelle nun nach Van Diemen’s Land deportiert.

1848
Ludwig Leichhardt bricht zu einer Expedition von der Ostküste Australiens in Richtung Westen auf. Er möchte als erster den Kontinent in westlicher Richtung durchqueren. Leichhardt wird nie in Perth ankommen und gilt bis heute trotz zahlreicher Suchexpeditionen als verschollen.

1851
Victoria wird zur eigenständigen australischen Kolonie ernannt. Gleichzeitig locken Goldfunde in New South Wales und Victoria Glückssuchende der ganzen Welt an.

1856
Van Diemen’s Land wird in Erinnerung an seinen Entdecker Abel Tasman in Tasmanien umbenannt.

1859
Queensland wird zur eigenständigen australischen Kolonie ernannt.

1860
Am 20. August 1860 bricht erstmals eine Expedition unter der Führung von Robert O’Hara Burke von Melbourne aus auf, um den Kontinent Australien von Süden nach Norden zu durchqueren. Im Februar 1861 ist die Expedition kurz vor der Nordküste aufgrund schwierigen Geländes für die mittlerweile nur noch vier verbleibenden Männer zu Ende. Auf dem langen Rückweg werden die Nahrungsmittel knapp und letztendlich erreicht nur ein Mann die Heimatstadt Melbourne.

1861
Ein weiterer Versuch, Australien von Süd nach Nord zu durchqueren, wird im Jahr 1861 gestartet. In Adelaide startet die Expedition von John McDouall Stuart. Ihm gelingt es als ersten Europäer 1862 die Nordküste Australiens zu erreichen.

1868
Das Ende der Sträflingstransporte nach Australien ist gekommen. In Fremantle, im Bundesstaat Westaustralien, hat das letzte Schiff mit Verurteilten aus Großbritannien angelegt. Seit 1788 sind bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 160.000 Verurteilte (unter ihnen 24.700 Frauen) nach Australien deportiert worden.

1901
Die Gründung des „Commonwealth of Australia“ vereinigt die bis dahin existierenden sechs Kolonien zu einer Föderation, jedoch bleibt diese weiterhin abhängig vom britischen Empire. Ein von London entsandter Generalgouverneur muss jedem Gesetz, das in Australien verabschiedet werden soll, zustimmen.

1911
Australiens Zentrum und der Norden wird vom Bundesstaat Südaustralien ausgelagert. Das Northern Territory ist bis in das Jahr 1978 jedoch direkt der Bundesregierung unterstellt. Erst in den Folgejahren wird das Northern Territory zu einem selbstverwalteten Staat, jedoch mit eingeschränkten Rechten wie z.B. bei der Gesetzgebung. Jedes beschlossene Gesetz kann vom Bundesparlament gekippt werden.

1914
Großbritannien erklärt am 4. August 1914 dem Deutschen Reich den Krieg. Australien, als Mitglied des British Empire, folgt dieser Kriegserklärung. Das „Australian and New Zealand Army Corps“ (Anzac) verlagert daraufhin große Militärtruppen nach Ägypten.

1915
Am 25. April landen australische und neuseeländische Truppen auf der türkischen Halbinsel Gallipoli, nahe der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel. Bis Dezember 1925 scheitern alle Versuche, die gegnerischen Truppen zu besiegen. Schließlich ziehen sich die Truppen des „Australian and New Zealand Army Corps“ zurück. Der 25. April ist seit 1927 ein nationaler Feiertag in Australien.

1927
Nach 14 Jahren Planung und Bauzeit zieht das Parlament von Melbourne in die neue Hauptstadt Canberra um.

1928
Der „Royal Flying Doctor Service“, zu jener Zeit noch der „Aerial Medical Service“, wird von John Flynn ins Leben gerufen.

1932
Das Wahrzeichen von Sydney, die „Sydney Harbour Bridge“, wird nach achteinhalb Jahren Bauzeit fertig gestellt.

1939
Am 3. September erklären Großbritannien und Australien Deutschland den Krieg.

1945
Am 15. August endet der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans im pazifischen Raum. Um die 34.000 australische Soldaten sind in den Kriegsjahren gefallen.

1973
Die britische Königin Elisabeth II. eröffnet im Oktober die Oper in Sydney.

1985
Am 26. Oktober erhalten die australischen Ureinwohner das Eigentum am Ayers Rock zurück. Der Uluru, wie die Aborigines den Felsen im Zentrum von Australien nennen, ist ein heiliger Ort der dort lebenden Ureinwohner.

1999
Australiens Bevölkerung entscheidet sich gegen die Umwandlung des Staats in eine Republik. Königin Elisabeth II. bleibt Staatsoberhaupt von Australien.

2000
Am 15. September 2000 beginnen die Olympischen Spiele von Sydney.

2008
Australiens Premierminister Kevin Rudd bittet offiziell um Entschuldigung für den Schmerz und das Leid, welchen vorherige Regierungen über die australischen Ureinwohner gebracht haben.

Europäische Entdecker

Die Entdeckung Australiens wird sehr häufig mit dem Namen James Cook in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich war es aber ein Portugiese, der diesen Kontinent zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Die erste Erkundungsexpedition an Land muss einem Holländer zugeschrieben werden.

Portugiesische Seefahrer kamen wohl bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Sichtweite der australischen Küste und 1606 segelte der Spanier Luis Vaez Torres durch die Meeresstraße zwischen dem Cape York und Papua Neu Guinea. Dieser Seeweg trägt bis heute seinen Namen, gleichwohl es keinen eindeutigen Beweis dafür gibt, ob Torres das Südliche Land (terra australis) tatsächlich gesehen hat.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erreichten holländische Seefahrer, auf der Suche nach Gold und Gewürzen, die westliche Küstenregion von Cape York und einige andere Stellen an der Westküste. Sie fanden ein trockenes, barsches und unangenehmes Land vor und zogen sich daraufhin wieder zurück nach Batavia, Niederländisch Ostindien (das heutige Jakarta in Indonesien), wo ein freundlicheres Klima vorherrschte.

Seereisen von Abel Tasman und William Dampier

1642 stellte die Niederländische Ostindien-Kompanie eine Expedition zusammen, die das Land im Süden nach fruchtbarem Boden und Reichtümern jeglicher Art erkunden sollte. Abel Tasman unternahm von Batavia aus zwei Seereisen in den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts, auf denen er die Region, die er Van Diemen’s Land nannte, entdeckte (ca. 200 Jahre später in Tasmanien umbenannt). Zu jener Zeit war ihm nicht bewusst, dass es sich um eine Insel und die Westküste von Neuseeland handelte.

Obgleich Abel Tasman die Küstenregionen von New Holland, ausgehend vom Cape York in westlicher Richtung bis zur Großen Australischen Bucht (Great Australian Bight), sowie die südlichen Regionen des Van Diemen’s Land, kartographierte, bekam er die Ostküste des Landes nicht zu Gesicht.

Der Titel des ersten Briten auf australischem Boden geht an den Freibeuter William Dampier, welcher die ersten Landerkundungen gut 40 Jahre nach den Reisen und Entdeckungen von Abel Tasman und beinahe 100 Jahre vor James Cook unternahm.

Die Aufzeichnungen von William Dampier auf seinen beiden Seereisen in den Jahren 1688 und 1698 zur Shark Bay an der Westküste von New Holland prägten das Bild in Europa von einem primitiven und gottlosen Land fernab der Heimat. Diese Sichtweise auf das Südliche Land, und somit das Interesse daran, blieb bis zu den Erkundungsreisen von James Cook unverändert. In seinen umfangreich dokumentierten Berichten sprach Cook später von einer exotischen und romantischen Südseeatmosphäre, mit verschönernden Beschreibungen der „prächtigen Wilden“.

William Dampier (1652-1715)
Im Jahre 1683 segelte William Dampier von Virginia nach Afrika und zurück zum Kap Horn. Er überquerte dabei den Atlantik zweimal. Anschließend segelte Dampier über den Pazifik zu den heutigen Philippinen und China, wendete sich dann südlich nach Australien und Sumatra und kehrte im Jahre 1691 wieder nach England zurück. Von dieser Umsegelung der Welt kehrte Dampier als ein bedeutender Entdecker und Gewässervermesser zurück. Während seiner Seereise führte er übergenaue Landschaftsvermessungen durch, fertigte Karten und Fahrtenbücher an. Seine Aufzeichnungen wurden als Voyage Round the World (1697) und Voyages and Descriptions (1699) veröffentlicht und regten reges Interesse in den beschriebenen Gewässern.

Als Folge darauf schickte das englische Admiralitätsbüro im Jahre 1699 Dampier auf eine Entdeckungsreise in die südliche See, um die Strömungen und Küstenlinien zu kartographisieren. Dampiers Entdeckerreise ging nach Australien und Neu Guinea. Er entdeckte und benannte New Britain. Dampier erforschte und benannte zudem das Dampier Archipelago, eine Gruppe von Inseln nordwestlich von Australien und der Dampier Strait, welche zwischen New Britain und Umboi Island liegt. Er beschrieb seine Seereise in Voyage to New Holland (1703-1709).

Als Folge eines Gerichtsurteils im Jahre 1702, das Dampier für seine Grausamkeiten gegenüber seinen Untergebenen verurteilte, wurde er im Jahre 1703 als Kapitän einer Freibeuter-Expedition in die Südsee geschickt. Die Seereise dauerte vier Jahre und endete erfolglos. Seine Besatzung beschuldigte ihn nach der Rückkehr in England als feige, brutal und alkoholabhängig. Als Folge dieser Beschuldigungen unternahm er nur noch eine weitere Freibeuterreise von 1708 bis 1711, dieses Mal jedoch nur als Navigator. Dampier starb als armer Mann im März 1715.

James Cook im Auftrag der Britischen Admiralität

Der trostlose Kontinent war so für lange Zeit in Vergessenheit geraten. 1768 leitete Kapitän James Cook eine wissenschaftliche Expedition im Auftrag der Britischen Admiralität nach Tahiti, um den Planeten Venus bei seiner Begegnung mit der Erde zu beobachten. Im Anschluss daran sollte Cook und seine Crew mit der Endeavour nach dem Südlichen Land Ausschau halten. Mit an Bord seines Schiffes waren einige Wissenschaftler, wie ein Astronom und eine Gruppe an Naturforschern und Zeichnern, geleitet von Joseph Banks.

Nach der erfolgreichen Umsegelung beider Inseln von Neuseeland setzte Cook die Segel auf der Suche nach dem Südlichen Land. Sein Kurs sollte immer in Richtung Westen verlaufen, bis er schließlich auf die bislang unerforschte Ostküste von New Holland traf.

Am 17. April 1770 sichtete Cook die südöstlichste Spitze des Kontinentes, welcher er den Namen Point Hicks gab. Als die Endeavour in Küstennähe kam, änderte Cook den Kurs in Richtung Norden, immer der Küstenlinie folgend und auf der Suche nach einem geeigneten Ankerplatz. Neun Tage später stieß die Endeavour schließlich auf eine geeignete Lücke in den Felsklippen und fand somit einem Zugang zu einer geschützten Anlegestelle. Dem neu entdeckten Hafen gab Cook den Namen Botany Bay.

Während ihrer Landgänge untersuchten und dokumentierten die Wissenschaftler die für sie völlig unbekannten Pflanzen und Tiere. Sie unternahmen zudem Versuche mit den wenigen Aborigines Kontakt aufzunehmen. Dies gestaltete sich als schwieriger als erhofft, da die Ureinwohner sich nicht sehr für die ersten weißen Menschen an der Ostküste interessierten. James Cook beschrieb die Situation wie folgt: „ Wie es scheint, ist das einzige was die Ureinwohner wollen, unser baldiges gehen“.

Nachdem Cook die Segel erneut setzen ließ, führte der Weg der Endeavour weiter nach Norden, die Küstenlinie vermessend. Er beschrieb die Ostküste als fruchtbar und gänzlich anders als das unwirtliche Land, von welchem die früheren Entdecker im Süden und Westen des Kontinentes berichteten. Als das Segelschiff an einem Riff vor Queensland erheblichen Schaden nahm, wurde Cook zu einer längeren Pause gezwungen. Die Reparaturarbeiten dauerten insgesamt sechs Wochen an. In dieser Zeit untersuchten Cook und die Wissenschaftler erneut die Umgebung, sie nahmen dabei erfolgreich Kontakt mit den dort lebenden Ureinwohnern auf.

Als die Endeavour erneut seetüchtig war, das Great Barrier Reef hinter ihnen lag und das Cape York umsegelt wurde, ging Cook erneut an Land um die Nationalflagge des Vereinigten Königreichs Großbritannien zu hissen und den Kontinent in New South Wales umzubenennen. Er beanspruchte das Land im Namen von King George III für Großbritannien.

James Cook war einfallsreich, menschlich und intelligent. Bis heute zählt er zu den größten und selbstlosesten Entdeckern aller Zeiten. Die einschneidenden und faszinierenden Berichte seiner Seereisen sind auch in der heutigen Zeit sehr beliebt. Bis zu seinem Tod auf den Sandwich Islands (das heutige Hawaii) im Jahre 1779 unternahm er zwei weitere Expeditionen in den südpazifischen Raum.

Sträflingskolonien

Infolge der Amerikanischen Revolution war es England nicht mehr möglich weiterhin Schwerstverbrecher nach Nordamerika zu transportieren. Da die eigenen Gefängnisse restlos überfüllt waren, musste eine schnelle Lösung her. 1779 schlug Joseph Banks das entfernte New South Wales als einen geeigneten Platz für eine Sträflingskolonie vor.

Acht Jahre später, 1786 gab Lord Sydney bekannt, dass der König sich für die Botany Bay als neuen Platz für verurteilte Straftäter an der Ostküste von Australien entschieden hat. Dass der Kontinent zu diesem Zeitpunkt bereits bevölkert war, spielte keine große Rolle in der Entscheidung.

Nicht einmal zwei Jahre später erreichte im Januar 1788 die erste Segelschiffflotte unter dem Kommando von Arthur Phillip, welcher der erste Gouverneur der neuen Kolonie wurde, die Botany Bay. Phillips erster Eindruck vom neuen Land fiel enttäuschend aus. Darauf schickte er ein kleines Boot weiter in Richtung Norden, um eine bessere Anlegestelle zu finden. Die Crew kehrte kurze Zeit später mit der Nachricht zurück, dass sich in Port Jackson eine geschützte Bucht mit einem perfekten Hafen befindet.

Die Flotte bestand insgesamt aus 11 Segelschiffen, mit 750 männlichen und weiblichen Verbrechern, 400 Matrosen, 4 Kompanien der Marineinfanterie und ausreichend Viehbestand sowie genug Nahrungsmittel für zwei Jahre an Bord. Phillip setze in Port Jackson Anker um in der Bucht von Sydney mit der Besiedlung zu beginnen.

Die erste Kolonie in New South Wales

New South Wales war für die Neuankömmlinge ein harscher und grauenvoller Platz. Die Verbrechen, welche mit dem Abtransport nach Australien bestraft wurden, waren oftmals von geringer Bedeutung. Sie wurden dennoch mit mindestens 7 Jahre Freiheitsentzug bestraft, was aufgrund der weiten Entfernung zum Heimatland einer lebenslangen Strafe gleichkam. Es gab zu jener Zeit keine Hoffnung auf eine Rückkehr nach England.

Obwohl die neue Kolonie, bestehend aus Soldaten, Matrosen, Taschendieben, Prostituierten und Kleinkriminellen die ersten schwierigen Jahre überstand, glich das Leben in Australien durch die Grausamkeiten des Wachpersonals eher einer Hölle.

Die zweite Flotte erreichte 1790 mit mehr Verurteilten und einigen Versorgungsgütern die Ostküste von Australien. Ein Jahr später, mit der Ankunft der dritten Flotte, wuchs die Bevölkerungszahl auf ca. 4.000 Personen an.

In der ersten Zeit waren die Siedler stark vom Nachschub aus Europa abhängig und eine Verzögerung oder gar ein gekentertes Versorgungsschiff kam einer Katastrophe gleich. Die Gefahr von Hungersnot bestand über die ersten 16 Jahre in der neuen Kolonie. Dies besserte sich mit den ersten Farmen in Australien. Mit steigenden Ernteerträgen der neuen Farmen wurde New South Wales zunehmend unabhängiger vom Nachschub aus Großbritannien.

Die sozialen Unterschiede in den Anfangsjahren der jungen Kolonie waren groß. Offiziere und ihre Familien standen im Kommando und hingen verbissen am britischen, zivilen Lebensstil fest. Soldaten, freie Siedler und ehemalige Strafgefangenen begannen sich ein eigenständiges Leben hart aufzubauen. Der Großteil der Bevölkerung bestand nach wie vor aus Verurteilten, betrachtet als der menschliche Abschaum und unter schlimmsten Konditionen lebend.

Währen dieser ersten Jahre wurde nur ein sehr kleiner Teil des Landes erkundet und wenige Siedler wagten den Schritt über die Grenzen von Sydney Cove hinaus. Gleichwohl Gouverneur Phillip die Anweisung gab möglichst mit den Ureinwohnern in Kontakt zu treten und Vertrauen zu schaffen, fand dies nicht statt. Gleichzeitig sah er kein großes Potential in New South Wales, wenn sich die Bemühungen dieser Kolonie lediglich auf die Arbeit von Sträflingen, die schon mit dem Bau von Straßen und Regierungsgebäuden beschäftigt waren, gründen. Wachstum und Wohlstand entsteht nach Phillips Vorstellung nur, wenn freie Siedler nach Australien kommen und wenn eine Landerteilung an Offiziere, Soldaten und ehemalige Sträflinge stattfindet.

Die Zeit nach Phillip – Offiziere des New South Wales Corps

Dies alles begann nachdem Phillip bereits wieder in England war und sein Stellvertreter Grose das Amt in New South Wales als Gouverneur übernahm. Grose verlagerte die Machtverhältnisse in Richtung des Militärs, indem er weitere Ländereien an die Offiziere des New South Wales Corps verteilte. Mit Geld, großen Ländereien und billigen Arbeitskräften aus den Sträflingslagern machten die Offiziere im Vergleich zu den kleinen Farmern sehr großen Gewinn. Um die Gefangen weiter zu motivieren wurden sie für die Arbeiten mit Rum bezahlt.

Als Folge wurden die Offiziere plötzlich sehr reich und waren bald in der Lage ganze Schiffsladungen aus England aufzukaufen, um sie dann für ein Vielfaches ihres eigentlichen Wertes weiter zu verkaufen. New South Wales entwickelte sich zu einer bedeutende Anlaufstelle auf den Handelsrouten und der Wal- und Robbenfang nahm stark zu.

Ohne wirklich ernsten Wiederstand konnten die Offiziere machen was sie wollten. So konnte z.B. John Macarthur drei Gouverneure, darunter William Bligh bekannt durch die Meuterei auf der Bounty, herausfordern und durch geschicktes Manövrieren überlisten und überdauern.

Als Gouverneur sah sich Bligh einer zweiten Meuterei im Jahre 1808 ausgesetzt. In der sogenannten „Rum Rebellion“ rebellierten Offiziere und ordneten seinen Arrest an. Dies brachte das Fass für die britische Regierung zum überlaufen und sie entsendete daraufhin Oberstleutnant Lachlan Macquarie mit seinem eigenen Regiment nach Australien. Er überbrachte den Befehl für das New South Wales Corps nach London zurückzukehren.

John Macarthur hatte, wenn auch eher durch Zufall, großen Einfluss auf die erste große und bedeutende Industrie in Australien. Sein Verständnis für das enorme Weidepotential der Kolonie führte zum Aufbau einer Merinoschaf Farm. Er glaubte, dass eine sorgfältige Aufzucht dieser Schafe, Wolle von exzellenter Qualität hervorbringen wird. Gleichwohl dies seine Vorstellung war, übernahm seine Frau Elizabeth die meiste Arbeit. John Macarthur selber blieb aufgrund seiner Beteiligung bei der „Rum Rebellion“ für beinahe ein Jahrzehnt in England.

Gouverneur Macquarie setzte die Grundvoraussetzungen für soziale Reformen

Gouverneur Macquarie brach die Herrschaft und Umklammerung des New South Wales Corps und setzte die Grundvoraussetzungen für bedeutende soziale Reformen in Australien. Er fand, dass Sträflinge, die ihre Zeit im Gefängnis abgesessen hatten, die gleichen Rechte wie freie Siedler bekommen sollten.

Während dies für die Verurteilten eine Zukunft bot und die Aussichten nicht mehr so düster aussahen, war am Ende von Macquaries Amtszeit im Jahr 1821 New South Wales dennoch eine Gesellschaft mit Sträflingen, in der oft Konflikte zwischen denen die nie in Gefangenschaft lebten und den ehemaligen Verbrechern auftraten.

Während der 30er und 40er Jahre des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der freien Siedler in den Kolonien von New South Wales, Westaustralien, Van Diemen’s Land (das heutige Tasmanien) und Port Phillip (Victoria) stetig an. Das Ansehen des jungen Australiens änderte sich jedoch erst in den 1850er Jahren mit der Meldung von Goldfunden.

Die Verschiffung von Straftätern nach Australien wurde 1852 in den östlichen und 1868 in den westlichen Kolonien eingestellt. Bis dahin kamen insgesamt mehr als 168.000 Verurteilte nach Australien.

Koloniale Expansion

Die Besiedlung von Australien erreichte nie die Größenordnung und den Stellenwert wie einst die Eroberung von Amerika, als die ersten Europäer systematisch in Richtung Westen aufbrachen. Die Entdeckung und Erkundung von neuem Land erfolgte zu jener Zeit letztendlich aus einem der folgenden Gründe.

  • Um passende Orte für die so genannte „Sekundäre Bestrafung“ („secondary punishment“) zu finden. Hierunter verbarg sich die Vorstellung, dass straffällige Menschen zunächst gebrochen werden müssen, um sie anschließend wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Am bekanntesten für solch einen Ort ist die barbarische Strafkolonie von Port Arthur im damaligen Van Diemen’s Land, das heutige Tasmanien.
  • Um neues Land zu besetzen bevor es eine andere Nation in Anspruch nimmt.
  • In späteren Jahren wegen der Suche nach Gold.

In den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts gab es in der südpazifischen Region lediglich zwei kleine Siedlungen. Die eine, Sydney Cove, an der Ostküste von Australien und die andere auf einer kleinen Insel, der Norfolk Island, nördlich von Neuseeland gelegen. Während sich die Lücken auf den Weltkarten zunehmend schlossen, blieb der größte Teil von Australien als eine gewaltige unbekannte Fläche zurück. Man vermutete sogar, dass Australien aus zwei großen, separaten Inseln bestand, mit der Hoffnung, es befinde sich ein riesiges Meer in dessen Mitte.

Die folgenden 40 Jahre waren von Erkundungen geprägt, als Expeditionen zunehmend in den gewaltigen australischen Kontinent vordrangen und neue Siedlungen in Hobart, Brisbane, Perth, Adelaide und Melbourne entstanden. Insbesondere die Entdeckungsreisen in das Landesinnere gingen oftmals mit Entbehrungen, Not und Elend einher.

Sydney und die südlichen Regionen

In den Jahren 1797 und 1798 kartografisierte Georg Brass den Küstenabschnitt südlich von Sydney bis kurz vor den Punkt, wo das heutige Melbourne liegt. Ebenso umsegelte er 1798 zusammen mit Matthew Flinders das Van Diemens’s Land. Sie erbrachten so den Beweis, dass es sich um eine Insel handelt. Flinders umsegelte vier Jahre später, 1802, den gesamten australischen Kontinent.

Die erste Siedlung auf Van Diemen’s Land entstand 1803 und befand sich unweit des heutigen Hobart. In den 1820er Jahren stellte Hobart Town in der Wichtigkeit einen ernstzunehmenden Rivalen zu Sydney dar. Die Insel wurde nicht vor 1856 auf Tasmanien, den Namen ihres europäischen Entdeckers, umbenannt, nachdem die Gefangenentransporte aus England schließlich eingestellt wurden und die Bevölkerung einen neuen Namen forderte. Ziel war es, den negativen Beigeschmack der einstigen Sträflingskolonie vollständig zu beseitigen.

Auf dem australischen Hauptland stellten die Blue Mountains zunächst eine unüberwindbare Barriere dar und grenzte so die Kolonie in Sydney, zusammen mit dem Meer auf der anderen Seite, ein. 1813 wurde schließlich ein erster Weg durch die Blue Mountains gefunden und die Western Plains eröffneten sich für die Forscher und Entdecker Blaxland, Wentworth und Lawson.

Port Phillip Bay in Victoria wurde zunächst als geeigneter Platz für eine zweite Siedlung in Australien betrachtet. Letztendlich fiel die Entscheidung jedoch zunächst auf Hobart. Port Phillip Bay kam 1835 erneut ins Gespräch, als Siedler aus Tasmanien nach weiteren Ländereien Ausschau hielten und sich für das heutige Melbourne als geeigneten Platz entschieden. Die Grundsteine von Perth wurden 1829 gelegt. Aufgrund seiner isolierten Lage in Australien fand das Wachstum dort sehr langsam und mühsam statt.

Die erste Siedlung im Gebiet um Brisbane errichtete eine Gruppe von Strafgefangenen aus Sydney. Zu jener Zeit wurden es den „guten Bürgern“ Sydneys zu viele Strafgefangene in ihrer Stadt. Daraufhin schickten sie eine Gruppe in Richtung Norden, auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine weitere Gefangenenkolonie. Im Jahr 1839 schließlich, als die Strafgefangenenkolonie in Brisbane aufgegeben wurde, kamen zunehmend mehr und mehr freie Siedler in diesen Ort.

Das im Jahr 1837 gegründete Adelaide war ursprünglich ein Versuch einer freien, unternehmerischen Kolonisierung. Das Experiment scheiterte letztendlich aufgrund eines schlechten Managements der beteiligten Organisationen, die schon bald bankrott waren. Die britische Regierung half daraufhin der neuen und überschuldeten Siedlung mit finanzieller Hilfe aus der Patsche.

1824 starteten die Entdecker Hume und Howell nahe der heutigen Stadt Canberra die erste Überlandreise in südlichere Regionen und erreichten das Westufer von Port Phillip Bay. Während ihrer Reise stießen sie auf einen großen Fluss, den sie nach Hume benannten, gleichwohl dieser später durch einen weiteren bedeutenden Entdecker, Charles Sturt, auf den Namen Murray umbenannt wurde. 1829 stellte Sturt fest, wie die Flusssysteme des Murrumbidgee und Darling River mit dem Murray River in Verbindung stehen und an welcher Stelle der Murray River in das Meer mündet. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es wilde Spekulationen, dass viele der Flüsse das große unbekannte Binnenmeer im Zentrum von Australien speisen könnten.

Zwölf Jahre später veröffentlichte der Vermessungsleiter, Major Mitchell, viel versprechende Berichte über das ertragreiche und fruchtbare Land, welches er während seiner Expedition über den Murray River in südlicher Richtung bis Portland Bay, durchquert hatte. Er benannte die Region (das heutige Victoria) „Australia Fair“.

Das rote Zentrum und der Norden von Australien

1840 brach Edward Eyre mit dem Versuch das Zentrum von Australien zu erreichen in Adelaide auf. Am Mount Hopeless musste er das Vorhaben aufgeben und schlug daraufhin eine westliche Richtung, mit dem entfernten Ziel Albany in Westaustralien, ein. Dieses gewaltige Unterfangen endete beinahe in einer Katastrophe, da frisches Wasser und Nahrungsmitteln praktisch nicht aufzufinden waren. Zudem wurde Eyres Begleiter, Baxter, von zwei Aborigines Führern ermordet. Eyre gab nicht auf und erreichte mit letzter Kraft die Rossiter Bay, wo er auf ein französisches Walfangschiff traf. Frisch erholt und mit Wasser und Nahrungsmitteln ausgestattet, erreichte Eyre schließlich Albany. Die Straße durch die Nullarbor Plain von Südaustralien bis nach Westaustralien trägt aufgrund dieser Expedition den Namen Eyre Highway.

In den Jahren 1844 und 1845 reiste der deutsche Wissenschaftler Ludwig Leichhardt durch das nördliche Queensland, am Gulf of Carpenttaria vorbei bis nach Port Essington nahe dem heutigen Darwin im Northern Territory. In den Folgejahren 1846 und 1847 scheiterte der Versuch den Kontinent von Ost nach West zu durchqueren. Bei seinem zweiten Anlauf verschwand Leichhardt spurlos. Bis heute hat man die Überreste von Ludwig Leichhardt nicht gefunden und sein Schicksal ist ungewiss.

Während das Schiff HMS Rattlesnake im Jahre 1848 die Küste und Inseln der Cape York Peninsula erkundete, startete Edmund Kennedy zeitgleich eine Landexpedition in Richtung Norden um die Halbinsel zu erkunden. Das Team brach in der Rockingham Bay südlich von Cairns auf. Noch nicht weit gereist, stießen sie auf erste Probleme. Die schwer beladenen Versorgungswagen konnten nicht durch das Sumpfland um Tully gezogen werden. Das schroffe Land, das harsche Klima, der Mangel an Versorgungsgütern, die feindseligen Aborigines und letztendlich verpasste Versorgungspunkte an denen die HMS Rattlesnake Verpflegung zurückließ, zahlten ihren Tribut. Neun der dreizehn Expeditionsteilnehmer starben auf der Reise. Edmund Kennedy selbst wurde 30 km vor dem Ende des schrecklichen Trecks von Aborigines getötet. Sein Diener Jacky Jacky, ein Ureinwohner Australiens, war der einzige Expeditionsteilnehmer, der letztendlich das Versorgungsschiff erreichte.

Süd-Nord Durchquerung von Burke und Wills

Der legendäre Versuch von Robert Burke und William Wills den australischen Kontinent von Süd nach Nord zu durchqueren begann 1860 in Melbourne und war bestimmt, eine der tragischsten Expeditionen der australischen Geschichte zu werden. Im Gegensatz zu allen bis dahin unternommen Expeditionen startete diese ohne Aborigine Führer. Nachdem sie ein Lebensmitteldepot in Cooper Creek in Queensland erreichten, beabsichtigte eine Gruppe von vier Personen einen Abstecher nach Norden bis zum Gulf of Carpenttaria zu unternehmen. Im sumpfigen Land umweit des Gulf of Carpenttaria kamen ihre Kamele weit langsamer voran als zunächst angenommen. Auf dem Weg zurück nach Cooper Creek starb ein Mitglied an den Strapazen der Reise.

Burke, Wills und der dritte überlebende Teilnehmer, John King, kämpften sich schließlich völlig entkräftet, beinahe zwei Monate hinter ihrem eigentlichen Zeitplan liegend, zurück nach Cooper Creek um festzustellen, dass das Lager aufgegeben wurde und die restlichen Expeditionsteilnehmer wenige Stunden zuvor nach Melbourne aufgebrochen waren. Sie blieben in Cooper Creek, verpassten einen zurückkehrenden Suchtrupp und fanden nie die Vorräte, welche für sie zurückgelassen wurden. Burke und Wills verhungerten buchstäblich im Überfluss. John King überlebte als einziger; bis der entsendete Rettungstrupp eintraf, erhielt er Nahrungsmittel von den dort lebenden Ureinwohnern.

John McDouall Stuart startete ebenfalls im Jahr 1860 von Adelaide aus eine Expedition nach Norden. Die australische Regierung hatte für die erfolgreiche Durchquerung des Kontinents von Süden nach Norden eine Belohnung von 2.000 Pfund ausgesetzt. Er erreichte das geografische Zentrum von Australien, Central Mt Stuart, ehe seine Expedition kurze Zeit später zur Umkehr gezwungen wurde. 1861, ein Jahr später, kam er bei einer erneuten Expedition dem Top End wesentlich näher, bevor er jedoch abermals umkehren musste. Schließlich erreichte Stuart 1862 im dritten Anlauf die nördliche Küste Australiens in der Nähe von Darwin. Die Überlandtelegrafenlinie, fertig gestellt im Jahr 1872, und der Stuart Highway verlaufen einer ähnlichen Route wie einst die erfolgreiche Expedition von Stuart.

Schicksal der Aborigines

Zu jener Zeit, als die ersten britischen Siedler in Sydney Cove ankamen, lebten über den gesamten australischen Kontinent verteilt um die 300.000 Aborigines. Sie entwickelten dabei um die 250 verschiedenen Sprachen – alleine auf Tasmanien wurden acht verschiedene Sprachen gesprochen.

Auch dicht nebeneinander lebende Clans entwickelten sich unabhängig, so verstanden sich die Ureinwohner Stämme auf beiden Seiten des heutigen Hafenbeckens von Sydney nicht.

In der Aborigine Gesellschaft, basierend auf Familienclans mit egalitären Strukturen, war eine verständliche und koordinierte Reaktion auf die europäischen Siedler nicht möglich. Trotz Anwesenheit der Ureinwohner Australiens auf diesem Kontinent, betrachteten die neu angekommenen Europäer das Land als „Terra Nullius“ – als Niemandsland, welches staatlich herrenlos ist und von niemand besiedelt und bewirtschaftet wird. Sie erkannten kein funktionierendes Regierungssystem, keinen Handel, keine dauerhaften Siedlungen und keinerlei Beweise für rechtmäßigen Landbesitz.

Viele Aborigines wurden gewaltsam von ihrem Land vertrieben. Eine weitaus größere Bedrohung stellten jedoch die eingeschleppten Krankheiten der britischen Siedler wie Pocken, Masern, Grippe, Keuchhusten, Lungenentzündung oder Tuberkulose dar. Einige Aborigines verließen ihr Land freiwillig und ließen sich in den Randgebieten der neu besiedelten Gebiete nieder, um die scheinbaren Vorzüge zu genießen. Hierzu zählten neben den Rohstoffen wie Stahl oder Stoffe auch die neuen und bis dahin unbekannten Drogen wie Tee, Tabak und Alkohol.

Das bis dahin funktionierende Verhältnis zwischen den Ureinwohnern Australiens und dem Land in dem sie lebten wurde, als die europäischen Eindringlinge Wälder rodeten und zahlreiche Wild- und Haustiere einschleppten, zerstört. Um das Jahr 1860 gab es um die 20 Millionen Schafe in Australien. Hinzu kamen ständig neue und immer größer werdende Rinderherden. All dies zerstörte schnell die Wasserlöcher und ruinierte die natürlichen Lebensräume, welche über Jahrtausende als Lebensraum für Säugetiere, Reptilien und pflanzliche Lebensmittel der Ureinwohner Australiens diente. Viele Pflanzen- und Tierarten verschwanden in der ersten Zeit der Besiedlung Australiens gänzlich.

Völkermord an den Ureinwohnern von Australien

Die Konflikte zwischen den Ureinwohnern Australiens und den weißen Siedlern nahm auch im Laufe der Zeit nicht ab. Um den Hungertod zu entkommen, erlegten Aborigines in ihrer Not Schafe und Rinder der Siedler. Die darauf folgenden Vergeltungsmaßnahmen fielen gewaltsam aus und nur wenige Ureinwohner blieben am Leben. In den ersten hundert Jahren der Besiedlung war das Töten als Vergeltungsmaßnahme weit verbreitet und die wenigsten dieser grauenvollen Taten wurden tatsächlich vor einem Gericht verhandelt.

In vielen Teilen von Australien verteidigten einige Aborigines ihr Land durch verzweifelte Guerilla-Taktiken. Einige Krieger wie Pemulwy, Yagan, Dundalli, Nemarluk oder Jandamarra (auch unter dem Namen „Pigeon“ bekannt) waren bei den Kolonisten sehr gefürchtet und Siedlungen mussten aufgrund der Gefahr, die von diesen Leuten ausging, aufgegeben werden.

Bis in die 1850er Jahre waren die Europäer mit ungenauen und unzuverlässigen Steinschloss-Gewehren ausgestattet, was gelegentlich dazu führte, dass sie in Kämpfen unterlegen waren. Mit der Einführung von Hinterlader-Gewähren um 1870 änderten sich die Verhältnisse jedoch rasch und Widerstand wurde schnell gebrochen. In Zentral- und Nordaustralien wurden dennoch bis um 1920 gelegentlich Europäer von Speeren der Ureinwohner getötet. Auf Tasmanien lebten zu jener Zeit etwa 5.000 Aborigines als Jäger und Sammler, gegen die Waffen der Europäer hatten sie jedoch keine Chance. Zudem erlitt die Aborigine Gesellschaft im südlichen Australien schreckliche Verluste. Nach 100 Jahren europäischer Besiedlung blieben von der traditionellen Aborigine Gesellschaft lediglich ein paar kleine Gruppen im zentralen und nördlichen Australien übrig.

Die „Stolen Generation“

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Gesetz in allen Staaten von Australien erlassen, um die Ureinwohner abzusondern und zu beschützen. Das neue Gesetz sah vor, dass Aborigines kein Land mehr besitzen und keiner Arbeit mehr nachgehen durften. Die Aborigine-Verordnung von 1918 ermöglichte es dem Staat zudem, Kinder von ihren Aborigine-Mütter zu trennen, falls es Zweifel gab, ob der Vater ebenfalls ein Aborigine war. Den Müttern dieser Halbblütigen Kinder wurde somit kein Recht über ihre Kinder eingeräumt. Die Zwangsentfernten Kinder wurden daraufhin in Pflegefamilien oder Kinderbetreuungseinrichtungen untergebracht.

Viel Aborigines sind auch heute noch verbittert über die einstige Trennung von ihren Familien und das erzwungene heranwachsen außerhalb ihres Volkes. Diese Kinder und ihr Schicksal ist als die „Gestohlene Generation“ (oder auch „Stolen Generation“) bekannt. Wenn man überhaupt von etwas guten in dieser Rechtsverordnung von 1918 sprechen kann, so ist es die Tatsache, dass ein gewisser Schutz für vollblutige Ureinwohner ausging. Diese konnten fortan in geschützten Reservaten leben, in welche Nicht-Aborigines nur mit einem Erlaubnisschein eintreten durften. Der Abbau von Bodenschätzen war in diesen abgesonderten Gebieten grundsätzlich verboten.

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