Aborigines

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Die australische Aborigine Gesellschaft besitzt die längste, ununterbrochene kulturelle Geschichte auf der Welt, mit ihrem Ursprung in der letzten Eiszeit. Es ist ziemlich sicher, dass die ersten Menschen Australien über den Seeweg aus Südostasien erreichten.

Sie kamen zu einer Zeit in Australien an, als der Meeresspiegel mehr als 50 m unter dem heutigen Level lag. Der Seeweg zwischen Asien und Australien war somit im Vergleich zu heute wesentlich kürzer, Boote für die Überquerung der offenen See wurden dennoch benötigt.

Heute sind weite Teile Australiens trocken und dürr, die ersten Ankömmlinge fanden hingegen einen wesentlich feuchteren Kontinent mit gewaltigen Wäldern und vielen Inlandsseen vor. Die Tierwelt bestand aus riesengroßen Beuteltieren wie dem 3 Meter großen Känguru oder aus flügellosen Vögeln, die auf dem Boden lebten. Das Leben zu jener Zeit war weitestgehend ohne Bedrohung, es existierten lediglich ein paar fleischfressende Räuber.

Aufgrund dieser günstigen Bedingungen vermuten Archäologen, dass Australien innerhalb von ein paar tausend Jahren von den Aborigines weitestgehend bevölkert wurde. Eine Ausnahme bildet das Zentrum, hier fand die Besiedlung erst vor gut 24.000 Jahren statt.

Die letzte Eiszeit endete vor 15.000 bis 10.000 Jahren. Mit dem Anstieg der Temperatur erhöhte sich der Meeresspiegel dramatisch und ein riesiges Gebiet des damaligen Australiens, etwa in der Größe des heutigen Westaustraliens, wurde überflutet. Küstenstreifen mit einer Breite von bis zu 100 km wurden in wenigen Jahrzehnten komplett überschwemmt. Viele der Inlandsseen trockneten aus und gewaltige Wüsten bildeten sich.

Demzufolge, gleichwohl die Aborigine Bevölkerung vor 20.000 Jahren weitestgehend gleichmäßig über den Kontinent verteilt war, fand eine Verlagerung der Ureinwohner am Ende der letzten Eiszeit und der damit verbundenen Stabilisierung des Meeresspiegels vor 5.000 Jahren in Richtung der Küstengebiete statt.

Inhalt

Ankunft der Aborigines

Einer der bemerkenswertesten Glanzpunkte der australischen Geschichte war ohne Zweifel die Ankunft der ersten Menschen in Australien. Dieses fand vor mehr als 40.000 Jahren statt. Die Einzelheiten dieser ersten Australier liegen durch den Nebel der Zeit im Dunkeln.

Archäologen setzten verschiedene Anhaltsstücke zusammen, welche nun eine Struktur für moderne Theorien bilden.

Unser früher Vorfahre, der Homo Erectus, stand vor 1,8 Millionen Jahren zunächst in Afrika auf. Erst viel später entwickelte sich der Homo Sapiens – die Ureinwohner Australiens sind wahrscheinlich Nachkommen früher Menschen, die über die Landmassen, welche heute Malaisen, Singapur, Java, Bali und Timor darstellen, herab wanderten.

Dies fand am Ende der letzten Eiszeit statt, wo die Meeresspiegel wesentlich niedriger lagen als heute, da weite Teile der Ozeane in den Polareiskappen eingebunden waren. Der Anstieg und Fall der Ozeane bedeutete für Australien eine gelegentliche Verbindung mit Neu Guinea; dennoch gab es nie eine direkte Verbindung zwischen Australien und Asien.

Es gab Zeiten in denen die nördlichen Küstenabschnitte Australiens von Asien durch weniger als 100 km Seeweg getrennt waren. Diejenigen, die am anderen Ufer lebten, mussten in der Lage gewesen sein, Rauchschwaden von Buschbränden, verursacht durch Blitzeinschläge, zu sehen und somit von der Existenz dieses Landes wissen.

Es hört sich vielleicht überraschend an, das Menschen vor 50.000 Jahren die Fähigkeit besaßen, Boote zu bauen und das Wagnis auf sich nahmen in die Ferne zu ziehen; aber sie vollführten es. In der Tat sollten diese menschlichen Charakterzüge nicht erstaunen, da diese Menschen keine frühere Spezies waren: sie traten als Menschen mit dem gleichen intellektuellem Potential wie wir auf.

Seetaugliche Boote aus Bambus

Die seetauglichen Boote ähnelten wohl aus Bambus gefertigten Flößen. Dies war genau genommen ein “Einbahnstraßen-Trip“: in Australien gab es kein einheimisches Bambus, so einmal angekommen, waren die herumziehenden Wanderer nicht in der Lage zurückzukehren.

Diese ersten Siedler kamen mit ziemlicher Sicherheit nicht als eine Einzelgruppe an. Es gab wahrscheinlich viele Landeinfälle entlang des Küstenabschnitts der Kimberley über tausende von Jahren. Die ersten Australier waren geschickte Seeleute. Die Besiedlung Australiens ist vermutlich die erste vollbrachte Seereise über eine derartig weite Distanz in der Welt gewesen.

Folgende Generationen verbreiteten sich über Australien und 40.000 Jahre alte archäologische Funde wurden im Süden des Landes, entlang des Swan River in Westaustralien und am Lake Mungo in New South Wales, gemacht. Die ältesten Fundstätten in der nordwestlichen Kimberley Region reichen über 40.000 Jahre zurück und am Ord River, in der Nähe des heutigen Lake Argyle, wurden Spuren menschlicher Aufenthaltsorte entdeckt, die mit Hilfe von Kohlenstofftests auf ein Alter von 21.000 Jahren datiert wurden.

Die ersten besiedelten Teile Australiens stimmen nicht mit den Orten der archäologischen Funde überein. Der Grund für dies ist offensichtlich: die heutige Küstenlinie entstand erst vor etwa 6.000 Jahren. Die an der Küstenlinie gelegenen Flachlandsiedlungen der frühen Tage liegen heute 150 m unter dem Meer und etwa 250 km vor der Küste.

Aborigine Kultur

In den Felsmalereien der Aborigines lebt die „Traumzeit“ der Schöpfung fort. Um die Welt der Heroen und Totem-Ahnen am Leben zu erhalten, mussten die Bilder in den Galerien immer wieder übermalt werden. So wurden sie zu magischen Orten, an denen die Mythen der Urzeit noch heute gegenwärtig sind.

Dreamtime, die Zeit der Schöpfung

Dreamtime, die Zeit der Schöpfung symbolisiert, dass das gesamte Leben der Aborigines Teil eines in sich zusammenhängenden Systems ist. Ein gewaltiges Netzwerk an Beziehungen und Verhältnissen, welches durch das auferstehen der ewigen Urformen, den spirituellen Ahnen die während der “Dreamtime“ auftauchten, in das Dasein kam.

Am Anfang, als die Erde eine Ebene ohne Merkmale und Gesichtszüge, oder wie in einigen Mythen vollständig mit Wasser bedeckt war, wühlten und fanden diese Urformen, die schöpferischen Vorfahren, sich selber in vielen Formen und Gestalten, in der Leere, der schlichten Landschaft und dem wellenlosen Ozean, wieder.

Einige, wie die riesigen Schlangen die unter dem Erdboden schliefen, drängten sich nach oben und schlängelten sich über die Leere, schufen auf ihren Wegen die Landschaft in der wir heute Leben. Andere Vorfahren stiegen vom Himmel herunter oder tauchten aus dem Meer auf. Am Land angekommen, begannen sie ihre schöpferischen Tätigkeiten, in dem sie nicht nur alles erschufen, sondern auch benannten.

Die schöpferischen Ahnen sind für alles Dasein verantwortlich, welches auch die Gesetze, die Bräuche und Sprachen beinhaltet. Die Sprachen grenzen dabei die unterschiedlichen Aborigine Stämme und Gemeinschaften ab.

Die schöpferische Zeitspanne der Dreamtime ist genauso metaphysisch wie eine Eppoche in der Zeit. Aborigines können das „djang“, die spirituellen Energien dieser Zeit durch Verwicklung in Rituale, welche die Ahnen lehrten und mit ihnen verknüpften, in die Gegenwart bringen. Sie glauben, dass der Funke des Lebens, die Seele, welche sie erregen, Teil dieser Ahnen ist. Durch Stimulierung dieses Teiles mit Hilfe der Rituale und Zeremonien kann eine Verbindung in die ewige Zeit des “Dreamings“ hergestellt werden.

Die ewige Traumzeit

Seit Anfang der 1990er Jahren arbeitet Nationalpark Ranger Chris Brown in der Kimberley Region im Norden von Westaustralien. In den letzten Jahren setzte er sich zusehends mehr für die Interessen der Aborigine Gemeinschaft auf dem Mitchell Plateau ein.

Chris Brown ist als Dauergast in dieser Gemeinschaft akzeptiert und versucht die ursprünglichen Besitzer dieses Landes in das Management mit einzubeziehen, um gemeinsame Wege mit dem Conservation and Land Management (CALM) für die Zukunft dieser Region zu finden. Durch den engen Kontakt ist Chris Brown zu einem Kenner der Aborigine Kultur geworden.

Nationalpark Ranger Chris Brown:
„Die ewige Traumzeit ist eine mündliche Überlieferung von einer Ureinwohnergeneration zur nächsten. Es gibt keine fassbare Übersetzung der Schöpfungsgeschichte wie wir sie kennen. Sie umschließt die Zeitspanne, die wir Genesis nennen. In der Welt der Aborigines ist dieser Schaffungsprozess wesentlich komplexer als unser Gedanke von Adam und Eva und der Bildung der Erde in sieben Tagen.

Im Aborigine Glaube war das Leben bereits im Kosmos impliziert, es wurde nicht durch einen Gott geformt und gestaltet. Das Leben war längst hier, es gab Himmelswesen und eine Erde. Diese war formlos und zu Anfang lagen in der Erde schlafende Schöpferwesen. Gelegentlich betraten diese Wesenheiten die Küstengebiete, aus dem Norden und Nordwesten über die Meere kommend.

Am Mitchell Plateau wird dieses Geschehnis durch die Wunggurrs, den Schöpferschlangen widergespiegelt. Sie reisten einst über das Land aus östlicher Richtung und formten alle Flüsse und Berge, all die großartigen Wasserlöcher speziell an den Mitchell Falls, bei Punamii-unpuu. Dies ist der Ort der Zusammenkunft einiger großer Schlangen, die durch das Land zogen und das Leben und die Gesetze entwarfen. Sie sahen sich bereits aus weiter Entfernung und vereinigten sich in den tiefen Wasserlöchern der Mitchell Falls. Die Schöpferschlangen leben auch heute noch hier. Ihre Wesen sind nicht inaktiv, sie sind lebhaft und real, wo im täglichen Leben jederzeit plötzlich eine Schlang auftauchen kann und eine Person als Strafe eines Fehlverhaltens töten und mitnehmen kann.

Viele der anderen Schöpferwesen reisten in dieser großartigen Schöpferzeit, in diesem Sonnenaufgang der Erde, durch das Gebiet des Mitchell Plateaus. Sie sind z.B. Verantwortlich für ein Känguru oder einen Vogel, eine Echse oder einen Fisch. Sie durchquerten das Land, hatten dabei ihren eigenen Traum und sie begannen irgendwo und endeten irgendwo.

Die Traumzeit legt fest, dass eine Person stets ortsansässig lebt. Tatsächlich ist die Gesellschaftsstruktur der Ureinwohner in örtliche Sippschaften aufgeteilt. Jeder Clan lebte in einem bestimmten Teil des Landes und beim Kommen und Gehen der Urwesen entstanden viele Mythen. Wo die Ahnen sich niederließen setzten sie für die dort lebenden Menschen bestimmte Regeln, Gesetze und Verhaltensweisen in der Gesellschaft fest. Sie boten den notwendigen Halt im alltäglichen Leben.

Betrachtet man das Rechts- und Bildungssystem in der westlichen Gesellschaft, ist alles sachgemäß, religiös, politisch und erzieherisch. In der Aborigine Gesellschaft tritt dies alles in einem großen, zusammenhängenden Ganzen auf. Alles wurde durch die Träumerei bestimmt und überwacht. In Vollendung lösten die Urwesen alle Probleme. Die tieferen Bedeutungen der Gesetze wurden stets durch die älteren Männer und Frauen getragen.

Am Ende der großen Schöpfungsperiode legten die Ahnen, die durch das hier und da reisten, alle Gesetze, wie das Recht ein Känguru zu essen oder das Recht zum Sammeln von Honig nieder. Am Ende ist schließlich ihre Zeit gekommen, wo sie sich mit der Umwelt zu einem Ganzen vereinigten. Innerhalb des Gebietes wo sie sich niederließen ist ihr Geist auch heute noch spürbar und aktiv. Sie verkörpern das Land, die Berge und Täler.

Daraufhin begann die heutige Zeit, wo Menschen als direkte Nachkommen der Ahnenwesen die Erde bewohnen. Aborigines betrachten die letzten zwei oder drei Generationen als Geschichte. Davor ist so etwas wie ein Labyrinth der alten Leute, die längst wieder zurück in die Traumzeit gingen.

Das Aborigine Leben ist eine dynamische, von Zeremonien bestimmte und religiöse Kultur. Das Dogma der Ureinwohner ist erst in den letzten Jahren mehr und mehr akzeptiert worden. Tatsächlich durchdringt der Glaube in einigen Gebieten die gesamte Gesellschaftsschicht. Die Ewigkeit des Lebens dient als Grundlage und muss nicht angezweifelt werden. Durch das Ausüben von Ritualen, bei der aufmerksamen Befolgung der Gesetze und durch das Zusammenhalten der Gesellschaft glauben die Aborigines an die Fähigkeit, die Umgebung und den Kosmos zu steuern und zu beeinflussen.

Alles findet seinen Ursprung in der Traumzeit. Die schöpferischen Ereignisse stellen die Regeln für das Leben, die Gesetze, die Liebe, die Gesellschaft und Religion dar. Alles ist in einem großen, durchgehenden Epos umfasst. Aborigines erleben dasselbe Epos, sie entdecken die großen Abenteuer der schöpferischen Ahnen und sie leben in einer spirituellen Welt, heilig und ganzheitlich. Dies beinhaltet auch den Geist der Nacht, die Geschichten warum es kleinen Kindern verboten ist die ganze Nacht über zu schreien, da es bösartige Geister anlocken könnte.

Aborigines glauben sowohl an bösartige Geister aus der Nacht, als auch an die schöpferischen Geister der Tageszeit. Sie vollführten ein mystisches, spirituelles Leben, welches nicht vergleichbar mit dem der westlichen Gesellschaft ist. Es gab Gesetze und Regeln für die ewige Traumzeit, welche ihnen den Weg aufzeigte, im gegenseitigen Respekt und Frieden zu Leben. Diese Menschen hatten eine Gesamtheit, einen in sich geschlossenen Lebenskreis.

Bis dahin besaßen die Ureinwohner Australiens ein höchst vollendetes, erfülltes Leben. Dies änderte sich als das europäische Establishment Einzug in Australien nahm. Die Ureinwohner hätten ihren bewehrten Lebensrhythmus für weitere tausend Jahre ungestört geführt, in ihrer Umgebung weitergelebt, welche vollständig und selbst aufrechterhaltend ist.“

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